Franz Kafkas "Prozess" - Das Manuskript als Vergrößerungsglas

Am Donnerstag, dem 25.11., war Martina Iris Wolff, Mitarbeiterin im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, zu Gast am Schiller-Gymnasium. Im vollbesetzten Glasbau der Schule referierte sie über Franz Kafka und zeigte dazu in einer Präsentation etliche Archivalien aus dem Marbacher Museum.
Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand das Manuskript zu Kafkas “Prozess”-Fragment. Das Anliegen der Referentin war es, die Handschrift “zum Reden” zu bringen, was ihr an einigen Beispielen sehr gut gelang. Gerade am Schlusskapitel konnte sie zeigen, wie Kafka durch dreifaches Überarbeiten das Geschehen seines Romans immer mehr in die Innenperspektive der Hauptfigur verlegte. Interessant waren auch ihre Ausführungen zu Kafkas Sprache: Da er in einer tschechischsprachigen Umwelt aufgewachsen sei, zeugten seine Werke von einer gewissen Wortarmut, was aber zur Folge habe, dass kein Wort selbstverständlich sei und den einzelnen Worten auch eine Bedeutungsvielfalt zukomme.


Foto: DLA Marbach

Schließlich sei das Schreiben am “Prozess” auch keine lineare Arbeit gewesen, sondern er habe nach dem ersten Kapitel zuerst den Schluss geschrieben. Die Arbeit am Roman sei also “wie im Tunnel” geschehen, ohne dass er die Figuren zunächst genauer gekannt habe. Damit zusammen hängt auch die Aussage der Referentin, dass Kafka an keiner Stelle seines Gesamtwerkes eine Deutung des “Prozesses” gebe. Die vielen anwesenden Schüler konnten somit auch keine Antwort auf ihre Frage, was nun die eigentliche Aussage des Romans sei, erhalten. Immerhin konnte Frau Wolff ihnen für den Abituraufsatz im nächsten Jahr insofern Mut machen, als sie die Schüler aufforderte, ihre eigene Antwort durch genaues Lesen zu finden.
Die anschließende recht rege Diskussion führte von der Biografie Kafkas über das Wirken des Freundes Max Brod bis hin zur Frage, was sich im Nachlass von Brod in den Schweizer Tresoren wohl befinde.
Am SG überlegt man sich nach nunmehr zwei erfolgreichen Veranstaltungen mit Frau Wolff, ob man nicht jedes Jahr zu Schillers Geburtstag einen Vortrag zu einem Dichter planen solle, von dem in den Marbacher Archiven besondere Gegenstände aufbewahrt werden.

E. Bitzer


zuletzt bearbeitet: 30.11.2010 von ungar

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